Presse

CD-Rezension „Outnumbered – Live in Germany“ – Akustik Gitarre 2/2015

„Play loud“ ist auf der CD vermerkt. Klare Ansage. Das Album gibt es her, denn Schellhorns Songs besitzen mitreißenden Roadmovie-Charakter, sind von zeitloser Qualität und einer Vertrautheit, die eigentlich kaum erklärbar ist. Das ist vermutlich jene Magie, warum einen Musik manchmal berührt – und manchmal eben auch nicht.
Doch der Reihe nach: Aufgezeichnet hat der Österreicher seine Songs in Wolfenbüttel, im Rahmen seiner Deutschland-Tour. Der Clou: Anstatt die gesamte Konzerttournee mitzuschneiden und aus den jeweils besten Performances einen Longplayer zusammenzustellen, hat er nur einen einzigen Abend aufgezeichnet. Ein Konzert. Solo. „Kein Netz, kein doppelter Boden, keine Tricks. Sozusagen in Unterzahl“, sagt Schellhorn. „Outnumbered“ sagt der Brite dazu. Und die Lieder? Treibende Rocker wie „Wannabe“ erinnern an Joe Bonamassas Acoustic-Version von „Ball Pen Hammer“, mit „Wishing Well“ covert er dann tatsächlich, und zwar Monte Montgomerys Paradenummer, setzt mit dem stimmungsvollen „Slow Roll“ eine Verbeugung vor Blues-Meister Chris Jones und zeigt in „Walking Blues“ auch gleich noch seine Fähigkeiten am Slide. Schellhorn ist Fingerstyler mit stoischem Wechselbass, kennt sich aber auch mit dem Plektrum aus. Auf der Fingerstyle-Seite findet man Einflüsse von Blind Willie Johnson, Tommy Emmanuel und Marcel Dadi, auf der Songwriter-Seite James Taylor, Paul Simon und David Gray. Der ehemalige Peter-Ratzenbeck-Schüler nutzt Open Tunings für schöne Klangfarben und setzt kleine, schöne Verzierungen. Da er obendrein auch ein sicherer Vocalist ist, hebt er damit seine Songs auf ein hohes Level. Denn andere würden vermutlich seine Nummern bereits als reine Instrumentals wirken lassen, doch Schellhorn gibt obendrein den Storyteller. Das ist sicher kein Alleinstellungsmerkmal, aber das macht ihm so schnell auch nicht jeder nach.
Fazit: Der Kufsteiner hat einen schönen Live-Moment festgehalten, ein Album, das einen für lange Zeit begleiten kann, wie ein guter Freund. Und bitte: laut hören.

Stefan Woldach, Akustik Gitarre


New-Scene-Artikel „Virus Fingerpicking“ – Akustik Gitarre 5/2013

So wie Tommy Emmanuel in Australien junge Gitarrentalente protegiert, unterstützt auch der österreichische Gitarrist Peter Ratzenbeck heimische Gitarristen. So darf Christoph Schellhorn als „Paradeschüler“ die Konzerte der österreichischen Fingerstyle-Legende eröffnen. „Peter hat mich früh mit dem Virus Fingerpicking infiziert“, erklärt Schellhorn heute, „Es bedeutet für mich absolute Freiheit auf der Gitarre: Schlagen, Zupfen, Bass, Melodie, Perkussion – alles gleichzeitig oder wann man es gerade braucht.“
Inzwischen hat der gebürtige Kufsteiner diesen Stil perfektioniert und seinen Weg gefunden. Aus Zutaten wie Blues, Folk und Songwriter-Pop schreibt er beschwingte Tunes mit englischen Texten, aber auch flott gezupfte Instrumentals, wie seine aktuelle CD „Hard Workin’ Man“ zeigt. „Vorbilder habe ich keine“, sagt der heutige Wahl-Wiener, „Ich versuche nicht zu sein wie jemand anders. Man lernt zwar viel durch Kopieren, aber irgendwann sollte man versuchen, seine eigene Stimme zu finden.“ So entwickelt Schellhorn seinen Stil aus Fingerstyle und Slide-Spiel, wozu Blues-Meister Chris Jones einst anmerkte: „He’s not only good, he’s nuts as well.“
Was das „gut sein“ betrifft, so legt Schellhorns Vater, ein ambitionierter Hobby-Gitarrist, die Basis bei seinem Sohn. „Seine Gitarren haben mich immer schon magisch angezogen, speziell seine Martin 0-18. Ich habe oft stundenlang darauf gespielt und Wechselbass geübt, bis meine Finger blutig waren.“ Überhaupt wird in der Familie Schellhorn viel musiziert und mehrstimmig gesungen. „Außerdem haben wir eine lange Tradition in der Blasmusik, wo ich auch 13 Jahre lang Klarinette und Saxophon gespielt habe, in Tiroler Tracht“, berichtet der heute 30-Jährige. „Die klassischen Vorkenntnisse auf der Klarinette erleichterten es mir, mich auf der Gitarre zurechtzufinden. Später habe ich Musikwissenschaft studiert und erfolgreich abgebrochen. Eine trockene Angelegenheit, aber hilfreich. Ich finde es wichtig, dass man weiß, was man da auf dem Griffbrett tut.“
Als favorisierte Instrumente spielt Schellhorn eine Martin 0-18 und eine Stevens 000-P. „Ich habe bis jetzt noch keine Gitarre entdeckt, die mich so zufriedenstellt wie diese beiden“, schwärmt er. „Live benutze ich Pickups von Stevens, über mein Custom-Floorboard. Das Signal wird über eine DI-Box gesplittet und geht in einen AER Compact 60 III und ins FoH-Pult. Im Studio benutze ich vier bis fünf Mikrofone und zusätzlich das Pickup-Signal über einen Röhren-Preamp. Für die Aufnahmen zu „Hard Workin’ Man“ hat mein Recording Engineer Franz Kaspar drei DPA-Richtmikros, ein AKG 414 und ein Brauner Valvet X verwendet.“
Schellhorn, der neben seiner Musik auch Booking und Selbstmanagement betreibt, sieht sich als Workaholic. „Früher habe ich Tennis gespielt, mittlerweile habe ich eine Leidenschaft für Snooker entwickelt. Leider komme ich viel zu selten dazu, sie auszuleben.“ Dafür wird er vielleicht eines Tages seine Kenntnisse an junge österreichische Gitarristen weitergeben.

Stefan Woldach, Akustik Gitarre


Konzertbericht aus Zwettl / Syrnau 01.06.2013 – NÖN 23/2013

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Bericht / Foto: Michael Salzer, NÖN


CD-Rezension „Hard Workin’ Man“  Concerto 2/2013

Seit seiner letzten Produktion ist Schellhorn, der sensible Westösterreicher mit langjährigem Künstler-Sitz nahe dem Schneeberg, weiter gereift wie ein edler Kentucky-Straight-Bourbon-Whiskey. Der Tiroler zeigt sich auf dem neuen Album als Soloperformer der Extraklasse. Wenn er seine Midwestsongs mit der Ukulele würzt und die uralten Riffs seiner bluesaffinen Lieder mittels der Akustikgitarre neu belebt, scheint er mitten im Wohnzimmer des Hörers zu stehen. Schellhorn gilt in der Szene zu Recht als charismatischer und um seine Hörerschaft bemühter Alleskönner. Zehn Eigenkompositionen, die solo dargebracht werden, zeigen ein breites Spektrum von Fingerstyle bis hin zu stark bluesig angehauchten Nummern.
Solo wie hier als String-Schwerarbeiter oder im Bandformat mit seinen sieben Mitstreitern von den Mammut Horns. Schellhorn bietet Saiten-Akrobatik und künstlerische Konsequenz in Gestalt eines bescheiden gebliebenen, österreichischen Gitarristen, der längst das Format eines internationalen Stars hat.

Gerhard Strejcek, Concerto


CD-Rezension „Hard Workin’ Man“ Blues.at – 24.03.2013

Dies ist nun schon die dritte Solo-CD Christoph Schellhorns – nach „Left To Listen“ (2008) und „Box Of Chocolates“ (2011) somit in schöner Regelmäßigkeit für seine immer zahlreicher werdenden Fans erschienen. Vor allem in Deutschland, in seiner Heimat Tirol und seiner Wahlheimat Wiener Neustadt hat er großen Erfolg. Die vorliegende Platte sollte dazu beitragen, auch im äußersten Osten Österreichs als junger Gitarren- und Gesangsvirtuose besser bekannt zu werden. Nebenbei angemerkt – damals, mit seiner großartigen ersten CD – wurde Christoph ganz knapp Zweiter hinter Norbert Schneider beim 1. Vienna Blues Award, der ja bekanntlich auch der einzige in Wien blieb. Nicht unerwähnt sei, dass von Scheibe zu Scheibe der Anteil selbstgeschriebener Titel höher wurde, nunmehr kommen alle Titel aus eigener Feder.
Ich kenne Christoph Schellhorn nun schon seit 2008, als er mir mit der ihm eigenen Bescheidenheit und Unaufdringlichkeit persönlich sein erstes Werk überreichte und dazu sagte „…es ist nicht unbedingt Blues was ich mache, aber vielleicht gefällt´s Dir trotzdem…“ – Und es hat gefallen und gefällt noch immer, mit jedem Mal Hören mehr, genauso wie das zweite Album und jetzt das dritte. Wer herkömmlichen Blues egal welcher Stilrichtung sucht, braucht gar nicht erst weiter zu lesen. Wer auf Singer/Songwriter steht, ist mit Christoph Schellhorns neuer CD „Hard Workin‘ Man“ bestens bedient. Christoph geht auf verschiedene Lebensformen und -situationen ein, zunächst auf die des umherreisenden Musikers, also auf seine eigene. Man erfährt, dass nicht alles immer eine Gaudi ist und nicht nur verschwendete Zeit, sondern harte Arbeit, oft auch verbunden mit Frust und Entbehrung. Allerdings beklagt er sich nicht, er erzählt einfach, lässt uns teilhaben. Auf Pathos wird verzichtet, er doziert nicht, vieles lässt er offen, er gehört nicht zu den ganz Gescheiten, die uns das Leben erklären und für alles Lösungen haben. Er zeigt auf, er klagt nicht an, er ist ein Zweifler, aber kein Verzweifelter. Er hat seine Meinung und Überzeugung, aber er drängt sie niemandem auf. Der Clochard wird so genommen, wie er eben ist, der lebenszerstörerische Banker muss genauso nicht an den Pranger wie der sesselklebende Politiker („a guilty conscience needs no accuser“) und dass es das Schicksal des jungen Mannes gibt, der auf Drogen und falsche Freunde vertraut hat und jetzt auf Knien um eine letzte Chance bittet, ist jedem bekannt, aber „What Would You Do“?
Die hohe Qualität des Gitarrespiels Schellhorns kennt man von den beiden ersten CDs und von seinen Liveauftritten, sie ist nicht nur bei den beiden Instrumentalstücken präsent; auf Overdubs wird meist verzichtet. Das Booklet ist schlicht, aber geschmackvoll gestaltet; die Texte der Lieder sind hilfreich, Englischkenntnis ist hilfreich. Das ist eine sehr poetische Scheibe zum Zuhören, nicht zur Berieselung. Ihr Wert ist höher als ihr Preis.

Werner Simon, Blues.at


CD-Rezension „Hard Workin’ Man“  Wasser-Prawda – 25.03.2013

Das bislang persönlichste Album des charmanten Österreichers aus Schwoich

So, höchste Zeit, dass wir unsere geneigte Leserschaft, und das sind ja an die 1000 Leser täglich, bekannt machen mit der aktuellen CD des österreichischen Gitarrenvirtuosen Christoph Schellhorn. Denn das haben neben uns auch schon solch renommierte Medien wie die Stuttgarter Zeitung, Akustik Gitarre oder Blues.at getan. Da muss also was dran sein an Schellhorns Album „Hard Workin’ Man“. Und, das sei gleich jetzt gesagt: da ist was dran! Darum, open up, folks, for a man who’s not only good, but nuts as well! (frei nach Chris Jones) Hard Workin‘ Man ist eines dieser Alben, die jedermann kennen sollte, der ein Herz für akustische Singer/Songwriter-Musik aus den Bereichen Folk / Blues / Fingerstyle besitzt.
Christoph Schellhorn hat mit diesem Album „Hard Workin’ Man“, seinem fünften, wohl das bislang persönlichste Werk eingespielt. Es ist eine von diesen Scheiben, die jeder große Musiker in seinem Portfolio hat, um den Fans eine besondere Seite der eigenen Persönlichkeit und Intimität zu zeigen ohne die Privatsphäre zu verlieren. Zehn Titel hat Schellhorn eingespielt, knapp 47 Minuten beträgt die Spielzeit. Zehn Titel in denen er mit seinem erstklassigem, klarem Gitarrespiel, seinem Songwriting, seinem Groove und der Sicherheit für die Arrangements auf ganzer Linie überzeugt. Da ist es kein Mangel, wenn Overdubs eingesetzt werden, denn es bleibt alles echt und authentisch – Christoph Schellhorn eben. Der Titel-Track Hard Workin‘ Man erzählt überzeugend vom Dasein als Berufsmusiker, von allen Missverständnissen, aber auch von der Freiheit, die dieser Beruf bereit halten kann. Melodie und Rhythmus bekräftigen den Entschluss und gemeinsam mit den Lyrics tritt uns eine gestandene Persönlichkeit gegenüber, der wir gerne weiter zuhören. Was der Mann so alles kann, davon kann man sich ein weiteres Mal bei Bricks & Stones überzeugen. Stilistisch ein Kind des Blues mit der Transzendenz eines erstklassigen Americana-Rock. Im Roots To The Back vermeint man ein Chris-Jones-Memorial zu hören mit einem Schlagobers von Kieran Halpin – Fingerstyle de Luxe! Beide Musiker waren bzw. sind ja bekannte Größen und liebe Freunde im Leben des Herrn Schellhorn. Und im Bottom Line finden wir uns wieder in der virtuellen Gegenwart in Louisiana oder Mississippi. Mit Dobro-Slide über die Sümpfe der Emotionen; das Overdub überbrückt das Versinken, herrlich, Meister! The Bitter End ist ein weiteres Beispiel für die melancholische Ader des Herrn Schellhorn. Akkord- und Melodiespiel vereinigen sich perfekt. Und dann unser absoluter Favorit: Animals In The Zoo! Solo ist das schon allererste Güte, dennoch hört die Fantasie da schon die Full Band oder sogar das ganz große Gebläse. Diese Fingerfertigkeit ist kaum zu überbieten. Und es ist nicht die Geschwindigkeit, die hier so überzeugt, sondern dieses klare, saubere Fingerpicking, das Christoph Schellhorn so meisterhaft beherrscht. Christoph Schellhorn stellt dieses Album in den kommenden Wochen auch live vor. Da lohnt sich sicherlich ein Blick auf seine Website.

Lüder Kriete, Wasser-Prawda


CD-Rezension „Box Of Chocolates“  Akustik Gitarre 5/2011

Box Of Chocolates hat der österreichische Gitarrist Christoph Schellhorn sein viertes Album genannt. Darauf serviert der Songwriter und Workshop-Dozent aus Kufstein, Tirol aus Zutaten wie Acoustic Pop, Blues, Folk und Balladen beschwingte Tunes mit englischen Texten, aber auch flott gezupfte Instrumentals wie „Déjà-Vu“ – Stücke, die erfreulich lange nachhallen. Einflüsse von Vorbildern wie Jacques Stotzem oder Kieran Halpin scheinen hier angenehm durch. Dennoch hat Schellhorn einen ganz eigenen, sehr versierten Stil entwickelt, aus Open Tunings und Fingerstyle (mit Metal-Picks) und Slide-Spiel. Wie bereits Blues-Meister Chris Jones so trefflich anmerkte: „He’s not only good – he’s nuts as well.“ Doch in diesem Falle möchte man eher Forrest Gump zitieren: „Das Leben ist wie eine Schachtel Pralinen – man weiß nie was man bekommt.“ Hier jedoch kann man sagen: Eine köstliche Auswahl.

Stefan Woldach, Akustik Gitarre


CD-Rezension „Box Of Chocolates“  Concerto 2/2011

Die Arbeitsteilung dieses schönen, aber völlig unkitschigen selbst produzierten Albums Tiroler Provenienz mit einem Touch Bonnie Raitt, Leonard Cohen und Mark Knopfler ist eindeutig und fair: Christoph Schellhorn bedient die coolen Westerngitarren der Eliteschmieden Martin und Stevens, übrigens auch mit auffällig guter Slide-Technik, Martin „Schützi“ Wagner sorgt positiv für die echten Schlaginstrumente an Drums & Percussion (keine Retorten-Maschinen, wie hervorzuheben ist, sondern eine dezente Ein-Mann-Section).
Ein bemerkenswertes Duo, das auch jenseits des Teichs bestehen könnte, wo eine große Folk- und Countrygemeinde wartet. Daher ist dem gut abgemischten Album, das ehrliche und eingängige Songs aufweist, Glück in der Verbreitung an die richtige Adresse zu wünschen. Die gefühlvollen und niveauvollen Texte gehören vor ein anspruchsvolles Club-Publikum, das keineswegs „tired of his six-strings“ werden wird.
Immer wieder ist man erstaunt, welche qualitativ gute Musik in der Alpenregion entsteht, aber wenn man Vergleiche zum großen „Bruder“ USA zieht, wird deutlich, dass auch dort viele Größen aus dem gebirgigen Nordwesten stammen (Ralph Towner, Kurt Cobain und Jimi Hendrix ressortieren z.B. nach Washington, und ersterer nannte seine Band nicht zufällig „Oregon“). Kieran Halpin und Peter Ratzenbeck sei Dank, dass sie den jungen Gitarren-Afficionado motivieren konnten, selbst auf die Bühne zu treten. Weiter so!
Es wäre durchaus eines Versuchs wert, wenn Schellhorn künftig auch deutschsprachige Texte dieses angenehm un-austriakischen Levels schriebe und intonierte.

Gerhard Strejcek, Concerto


CD-Rezension „Box Of Chocolates“  suite101.de – 02.03.2011

Eine brodelnde Mixtur aus Acoustic Rock, Folkblues, Balladen und überraschenden Instrumentals. Forrest Gump hätte seine Freude dran.
Zehn Pralinen aus der Konditorei Schellhorn verwöhnen den Gaumen mit raffinierten Rezepturen. Der charmante Österreicher hat in seiner Küche zwei Handvoll preiswürdiger Einzelstücke geschaffen, die den Feinschmecker in uns trefflich verführen. Süße Leckereien ohne Zucker; Zartbitter neben Nougat und Trüffel. Mal pur, mal gefüllt. Ein Narr ist, wer sich dem verweigert. Neben Christoph Schellhorn mit Gesang, den Gitarren und Bass ist auch sein Freund Martin „Schützi“ Wagner an den Drums und Percussion mit dabei. Diese beiden mischen Melodie und Rhythmus, Dur und Moll auf mannigfaltige Art; immer locker und fröhlich, und mit Tiefgang und Präzision.

Respekt vor dem Traditionellen – Freiheit für die Zukunft
Christoph Schellhorn ist nicht nur ein ausgezeichneter Musiker, sondern auch ein überzeugender Komponist. Sieben Titel stammen aus der eigenen Feder; eines, „Deja-Vu“, ist ein Instrumental. Mit dreien macht er eine würdige Verbeugung vor der Tradition der Folk-Musik. Neben den beiden amerikanischen Großmeistern Monte Montgomery („Wishing Well“) und Tom Paxton („Last Thing On My Mind“) gilt eine besondere Aufmerksamkeit dem „Kufsteinlied“ des Karl Ganzer. In seinen Texten beschreibt Schellhorn die kleinen alltäglichen Fallen und Freuden, Begegnungen und Konfrontationen, Schein und Wirklichkeit.

Überragende Fingerfertigkeit ermöglicht spielerische Fantasie
Schellhorn hat bei einer Reihe von Meistern seines Fachs gelernt. So kann der Autodidakt aus einer Fülle von technischen Tricks, klanglichen Finessen und seiner vielfältigen Virtuosität schöpfen. Sein ausgereiftes Fingerpicking, sein meisterliches Glissando und bodenständiges Slide-Spiel zeichnen ihn aus. Und er beginnt sofort mit kraftvollem, swingendem Akkordspiel im Titelstück „Box Of Chocolates“. Schützi an den Drums treibt den Beat. Darüber legt sich eine feine Improvisation auf der akustischen Gitarre. Mit diesem klaren, perlenden Spiel geht es auch durch die weiteren Titel. Ganz besonders kommen Schellhorns Qualitäten im Instrumental „Deja-Vu“ zur Geltung. Hier wird ein Geschmacks-Feuerwerk der Extraklasse gezündet! Und dann kommt „Wannabe“. Gefüllt mit schweren Prozenten geht die Wirkung dieser Praline direkt ins Blut. Das Herz wird warm, der Bass groovet rührend durch die Füllung. Leicht und meisterlich formt der Chef Melodie und Rhythmus; rechte und linke Hand zeigen einmal mehr wozu sie in der Lage sind. Ein paar Flageoletts oben drauf, fertig ist das Meisterstück: Prädikat besonders wertvoll! Als letztes Leckerli der Box das „Kufsteinlied“ von Karl Ganzer. Ganz ohne Echo der Berge, aber mit Spirit und Seele wird hier ein Stück Folk(s)- Kunst geboten, das weit über die Heimat des Tirolers hinaus klingt. Schellhorn schlägt meisterhaft die Brücke von starrer Tradition hin zu moderner, zeitgemäßer Adaption. Man spürt die echte Liebe, die Karl Ganzer in sein Heimatlied komponiert hat, ebenso wie Christoph Schellhorns überragende Virtuosität, diese wieder frei zu lassen.
Diese Box of Chocolates ist Praline für Praline ein Genuss. Das Beste aber ist: Sie hat kein Verfallsdatum und dick macht sie auch nicht!

Lüder Kriete, suite101.de


Konzert-Kritik Schlachthof Kassel mit Jaimi Faulkner, 16.11.2010

Gitarrenkunst zweier Kontinente

KASSEL. Singer-Songwriter-Konzerte haben etwas von Lagerfeuerabenden mit guten Freunden. Gleich zwei Vertreter dieses gefühlvollen Genres präsentierten sich am Dienstag viel beklatscht im Schlachthof. Den Auftakt machte der Österreicher Christoph Schellhorn. Auch ohne Spezifizierung hätte sein Dialekt seine Herkunft verraten: „Ich bin der Christoph aus Tirol“, begrüßte der 27-Jährige die Besucher. Ihm liegt der Blues am Herzen. Doch auch Folk- und Rockzitate vermag Schellhorn gekonnt in sein Repertoire aus eigenen und gecoverten Songs einzuflechten.
So zum Beispiel Folk-Blues aus Texas, wie das ZZ-Top-Stück „Jesus Just Left Chicago“. Von der „Forrest-Gump-Philosophie“, wie Schellhorn es nannte, war das nächste Stück geprägt: Wie sagte Forrests Film-Mutti? „Das Leben ist wie eine Pralinenschachtel. Man weiß nie, was man bekommt“, zitierte Schellhorn humorvoll, und ließ „Box Of Chocolates“ erklingen. Seine Gitarre weiß er gekonnt einzusetzen, bei renommierten Lehrern hat er sich eine Menge abgeschaut. Das Finger-Picking zum Beispiel, mit dem er diesem Stück einen enormen Schwung verlieh. Ruhiger wurde es bei „Tightrope Dance“, das er dem französischen Drahtseil-Tänzer Philippe Petit widmete. Zum Abschluss die Aufforderung an das Publikum: „Singt’s mit, weil i woaß doch, in Kassel gibt’s guade Sänger.“
Nicht so urwitzig bei den Ansagen war der aus Australien stammende Jaimi Faulkner, der den zweiten Teil des Abends bestimmte. Seine spieltechnischen Fähigkeiten auf der akustischen Gitarre sind enorm, seine Stücke ein Kontrast aus gefühlsstarkem Gesang und relativ hartem Gitarrenanschlag. Immer wieder ließ er neben seinen melancholisch gefärbten Liedern seine Künste auf der Gitarre aufblitzen. Beachtlich, wie er in eines seiner Stücke Hitkürzel von den Beatles, Jimi Hendrix und Led Zeppelin einfädelte. Von zwischenmenschlichen Berührungen erzählen seine Lieder. Überwiegend aus seinen letzten Alben „Kiss & Ride“ und „All I Can“ stammten sie.

Steve Kuberczyk-Stein, Hessische Allgemeine – 17.11.2010


Konzert-Kritik Tollhaus Dachau Cafe Gramsci, 05.03.2010

Alles aufgegeben – für die Musik

DACHAU. Für seinen Traum hat Gitarrist Christoph Schellhorn alles andere aufgegeben: das Studium, feste Beziehungen, sein bürgerliches Leben. Ein Abend mit seiner Gitarre in einer kleinen Kneipe, und ihm war klar: Ich mache Musik, und nichts anderes mehr.
Seitdem ist der Österreicher unterwegs: jeden Abend eine andere Stadt, jeden Abend ein anderes Publikum. Die Gitarre seines Vaters ist das Einzige, was er von daheim mitgenommen hat.
Am vergangenen Wochenende machte Schellhorn auch im Cafe Gramsci Halt – in der Reihe Inkognito des Vereins Tollhaus Dachau. Schon der Flyer verriet: Der Blues zieht ein ins Altstadt-Café. Und so kam es dann auch. Gitarrengurt angelegt, zweimal grob die Saiten gestimmt, ein trockenes „Grüß Gott“ ins Mikrophon gesprochen und schon lockte Christoph Schellhorn die ersten dreckigen Akkorde aus seiner Westerngitarre. Wer könnte den Blues auch besser vermitteln, als ein Mann, der rastlos ist, dessen Lebensziel es ist, jeden Abend in einer anderen Kneipe zu spielen?
„Jesus Just Left Chicago“, „Walking Blues“ oder „Freeman“ waren Blueskracher, wie man sie dem Jungspund an der Gitarre so nicht zugetraut hätte. „Viele sagen ja, in meinem Alter darf man solche Stücke noch gar nicht spielen, weil man sie noch nicht erlebt hat“, lachte Schellhorn. Seine Biographie liefert den Beweis: Man muss nicht über 50 sein, um über das Leben zu singen. Doch Schellhorn heult nicht nur den Blues, er kann auch mit wunderschönen Instrumentalstücken verzaubern.

Merkur Online, März 2010